Wenn man von Mitterolang Richtung Gassl und Fraktion Geiselsberg fährt und sich am Ende des Bad Bergfall Weges das gleichnamige Hotel auftut, fühlt man sich unweigerlich ein wenig in der Zeit zurückversetzt. Was sich Familie Pörnbacher mit ihrem Kleinod bewahrt hat, ist an Idylle und Suggestion augenblicklich spürbar. Hier, am Talschluss, wo sich Hase und Fuchs sinnbildlich wohl Gute Nacht sagen, präsentiert sich der alte Gasthof mit Zimmern inklusive eines der ältesten Heilbäder im Tiroler Raum wie eine wohltuende kleine Oase in einer Zeit, in der modernste ausgestattete Wellnesstempel eigentlich den Ton angeben…
Der Ursprung des Bades „Bad Bergfall“ liegt in der Schwefelquelle, die nur wenige Kilometer hinter dem Gasthof mitten im Wald entspringt und die, neben einer Eisenquelle und einem Magenwasser, als Hauptquelle für das Bad fungiert. Das Wasser wird als sehr mineralreich, sulfat-, calcium- und magnesiumhaltig klassifiziert und enthält weiters Sulfid, Iod und Spuren von Bor, Barium, Lithium, Selen, Zink, Beryllium, Uran, Nickel und Kobalt. Dem Wasser werden unter anderem positive Wirkungen auf das Verdauungssystem, die Atemwegen, dem Gelenksystem und dem Nervensystem nachgesagt.
Schon zu Römerzeiten (65 v.Chr. bis 450 n.Chr.) wurde die besagte Heilkraft des Wassers bei Bad Bergfall genutzt und geschätzt, schließlich waren die Römer bekannt für ihre Badekultur, der sie nach Herzenslust frönten. Reste eines römischen Badebeckens sowie Funde von Schmuckstücken und Münzen als Dank für die Genesung von Ischias-, Rheumatismus- und Frauenleiden, Gicht, Haut- und Atemwegserkrankungen aus der Zeit der Kaiser Vespasian, Domitian und Titus – im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruch ausgestellt - zeugen noch heute vom regen Besuch anno dazumal der Olanger Quelle inmitten der Dolomiten. Gestoßen war auf die römischen Zeugnisse im Jahre 1840 der Trientner Domherr Quirinus C. v. Tschiderer, ein begeisterter Badegast, der – vom Geruch aufmerksam geworden - bei der Ursprungsstelle der Quellen graben ließ, wobei nicht nur die verschüttete Schwefelquelle zum Vorschein kam, sondern auch die römischen Fundstücke.
Denn auch nach der Antike erfreute sich die Bad Bergfall Quelle großer Beliebtheit. Im 18. Jahrhundert wurde in der damals mondänen Infrastruktur gerne und meist sehr ausgiebig gebadet. Die Gäste kamen von überall her, aus der näheren Umgebung wie auch aus dem ferneren europäischen Raum, wie die damaligen Gästebucheintragungen, heute noch zum Teil im Besitz der Familie Pörnbacher, eindrucksvoll belegen. Und der seinerzeit renommierte Bozner Arzt Dr. Franciscus Antonius Abmayr war von der Kur so angetan, dass er im Jahre 1734 ein Buch über das Bad und seine Heilwirkungen verfasste, welches ebenfalls noch im Original im Ferdinandeum erhalten ist. Darüber hinaus war das Bad beileibe nicht nur feineren Gästen vorbehalten, auch die nicht betuchte Bevölkerung und die Bauern der Umgebung suchten Erholung und dafür stand ihnen eine eigene Räumlichkeit für die Wassernutzung zur Verfügung, die freilich spartanischer gestaltet war.
Wer das kleine Hotel heute besucht, kann durchaus noch den Charme der einstigen Zeit erahnen. Seit den 1950er Jahren sind das Hotel nebst Badehaus nun im Besitz der Familie Pörnbacher. Und so findet sich heute im Badehaus eine kleine, aber feine Auswahl an Kabinen mit zudeckten Holz- und Porzellanwannen. Bei einer Wassertemperatur von etwa 37 Grad genießt man für ungefähr 20 Minuten das wohltuende Wasser, anschließend wird im Ruheraum in gemütlichen Betten entspannt und noch ein Glas Quellenwasser zur Entschlackung getrunken.
Zum Ensemble gehört auch eine Hauskapelle, denn das Beten galt einst als wesentlicher Bestandteil einer Genesung. Erbauen ließ die Kapelle - wie auch das Wirtshaus - im Jahre 1720 Graf Guidobald von Welsberg, der sich der Heilkraft der Quellen bewusst war und diese auch nutzen wollte. Das originale Altarbild von anno 1720 zeigt dementsprechend nicht nur mehrere Heilige und die Krankenpatrone Sebastian und Rochus mit einer Tafel, auf welcher die zu heilendenden Krankheiten aufgelistet sind, sondern auch einen Engel mit dem Welsberger Wappen. Geweiht ist die Kapelle übrigens dem hl. Theobald, ein äußerst beliebter und vielseitiger Schutzpatron, unter anderem zuständig für Bauern und manche Handwerker sowie für Pilger und Reisende.
Info: Die Dienstleistungen von Bad Bergfall, das Wirtshaus und das Badehaus, stehen nicht nur Hausgästen offen, auch externe Besucherinnen und Besucher sind willkommen, allerdings ist Speisen oder Baden nur auf vorherige Reservierung möglich.